Begeben Sie sich auf eine Zeitreise und sehen sich seine genialen Bauten aus den 1920er und 1930er Jahren im Zentrum von Košice an.
Mit der Person des verstorbenen Ľudovíts Oelschlägers könnten sich Touristen aus allen Ecken der Welt identifizieren. Warum sollte sich ein Besucher der Metropole des Ostens seine Bauten in Košice ansehen? Der Architekt war ein echter Kosmopolit und ein vielseitiger Mensch, der mehrere Sprachen beherrschte. Nach dem Abitur in Košice und dem Studium in Budapest arbeitete er in Konstruktionsbüros in Berlin, München und Stuttgart, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden er und seine Familie nach Ungarn vertrieben, wo er den Namen Lajos Őry verwendete. Außer in Košice thronen seine Bauten im Osten der Slowakei, seine Architekturwerke kann man auch in Uzhhorod und Mukachevo in der Ukraine und ebenso in Ungarn finden. Oelschlägers Werke werden aufgrund ihres spezifischen Stils auch von Menschen jüdischer Herkunft verehrt. Er entwarf und überwachte den Bau der heutigen orthodoxen Synagoge und der ehemaligen jüdischen Schule in der Puškinova-Straße in Košice und war der Autor des Projekts für die jüdische Schule und das Gemeindehaus in Uzhhorod.
In der Person des Architekten Ľudovít (Ludwig) Oelschläger, alias Lajos Őry, vereinte sich ungarisches und deutsches Blut, er verkörperte die typische Mentalität eines Košicer Bürgers jener Zeit. Er wurde 1896 in Košice geboren und kam von einer reichen evangelischen deutschen Familie aus Košice, die ihm eine gute klassische Ausbildung vermittelte. Die Vorfahren seiner deutschen Familie kamen ursprünglich aus der Zips. Zur Zeit der Oelschlägers Geburt war Košice Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die intellektuelle und geistige Atmosphäre in Košice war zu dieser Zeit nahe an Budapest. Oelschläger absolvierte das Prämonstratenser-Gymnasium in Košice und wurde 1914 an der Ungarischen Königlichen Technischen Universität Namens Józsefs Nádors – dem sogenannten „Polytechnikum“ in Budapest – zugelassen.
Er musste jedoch als Soldat in die österreichisch-ungarische Armee eintreten und brach das Studium ab. Im Alter von 19 Jahren erhielt er die Silberne Tapferkeitsmedaille, die damals eine sehr hohe militärische Auszeichnung darstellte. Sein Studium an der Universität Budapest schloss daher Oelschläger erst nach Kriegsende, im Jahr 1921, ab. Die Ungarische Königlich-Technische Universität in Budapest war die erste Universität in Ungarn, die ihren Studenten die Architektur auf Universitätsniveau beibrachte. Es war eine Universität mit einem traditionellen Ansatz, die praktisch orientierte Architekten ausbildete. Der Schwerpunkt lag eher auf der Beherrschung von Technik und Design, die Studenten wurden an eine traditionelle Auffassung von Architektur herangeführt. Das Studium verschaffte Oelschläger eine solide technische Grundlage für seine späteren Bauten, die durch die verschiedenen von ihm entworfenen Baustile nur noch ergänzt wurden.
Nach seinem Universitätsdiplom unternahm Oelschläger eine längere Studienreise nach Deutschland (1921 – 1922), die ihm die Tür zur europäischen Architektur öffnete. Er blieb bis 1923 in Deutschland, wo er in Planungsbüros in deutschen Großstädten arbeitete. Zu dieser Zeit arbeitete der junge Architekt auch im Budapester Architekturbüro Bogdánfy und Gerlóczy, das wegen des Architekten Gerlóczy bei den Bauherren besonders begehrt war. Der Architekt Gerlóczy hatte eine hervorragende deutsche Hochschulausbildung an der Universität München. Während seiner Tätigkeit im ungarischen Büro Bogdánfy und Gerlóczy gewann Oelschläger den ersten Preis eines Architekturwettbewerbs für den Entwurf einer Wirtschaftsakademie mit Wohnheimen in Mukachevo, das damals noch zur Tschechoslowakei gehörte.
Im Jahr 1924 beschloss Oelschläger, in seine Heimatstadt Košice zurückzukehren, wo seine Zeit als Stararchitekt begann. Nach Ansicht von Architekturhistorikern waren die Jahre 1923-1924 für den Architekten aus Košice eine Zeit des Lernens, der Suche und der allmählichen Entwicklung eines eigenen architektonischen Stils.
Zu den Oelschlägers ersten Bauten in Košice, die noch heute von Touristen bewundert werden können, gehört das Feuerwehrhaus in der Požiarnická-Straße 2-4, das der Architekt zwischen 1927 und 1928 baute. Im Jahr 1927 wurde die orthodoxe Synagoge zusammen mit der jüdischen Schule Sefer Tora für jüdische Jungen in der Puškinova-Straße 3-5 fertiggestellt. Diese beiden Gebäude bildeten zusammen einen ursprünglich geschlossenen Komplex. 1929 wurde der Bau des Kinos Slovan, des heutigen „Historischen Rathauses“ von Košice, im Innenhof der Hlavná-Straße 59 abgeschlossen. Etwa zur gleichen Zeit wurde das zeitlose Haus der Frau von Ľudovít Burger in der Štúrova-Straße 21 errichtet. Der sogenannte maurische Stil widerspiegelt sich im Gebäude der ehemaligen Industrie- und Handelskammer, die 1932 an der Ecke der heutigen Hauptstraße 112 und der Bačíkova-Straße 2 errichtet wurde. Dieses prächtige Gebäude steht ebenfalls im Zentrum der Stadt und kann von den Besuchern der Metropole des Ostens von außen besichtigt werden.
In der Nähe des Hauptbahnhofs, auf dem Staničné námestie 5A, befindet sich das offene Schwimmbad Červená hviezda. Das Hauptgebäude vor dem großen Schwimmbad wurde, obwohl es vor kurzem renoviert wurde, zusammen mit den Schwimmbecken und der Außenanlage 1936 von Oelschläger fertiggestellt und beendet. Zu seinen letzten Bauten vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Villa in der Rázusova-Straße 13 in Košice.
Oelschläger war politisch engagiert, er war Mitglied der ungarischen bürgerlichen Parteien. Nach dem Münchner Abkommen 1938 schloss sich Košice Horthys Ungarn an. Der ungarische „Reichsverweser“ Miklós Horthy überreichte Oelschläger 1939 in Székesfehérvár persönlich den ungarischen Titel „vitéz“ (Held). Dieser Titel konnte jedoch nur Bürgern verliehen werden, die einen ungarischen Nachnamen trugen. Diese Tatsache war wahrscheinlich der Grund für die Annahme seines neuen Nachnamens Őry, den der Architekt seither verwendete. Die angebliche Zusammenarbeit mit Horthy trug wahrscheinlich dazu bei, dass Oelschläger nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner gesamten Familie, einschließlich seiner älteren Brüder Ferenc Őry und István Oelschläger und ihres Vaters, nach Ungarn auswanderte. Sein Vater starb 1948 in Miskolc. Erst 1959 zog die Familie von Lajos Őry endgültig nach Miskolc. Hier durchlief der Architekt verschiedene Positionen in sozialistischen Gestaltungsorganisationen und arbeitete bis ins hohe Alter. Er starb 1984 in Miskolc. Für die Besucher von Košice haben wir eine kleine Karte der bedeutendsten Gebäude von Ľudovít Oelschläger im Stadtzentrum vorbereitet. Diese Bauten können von jedem Touristen im Stadtzentrum kostenlos besichtigt werden, sind gut sichtbar und meist gut zugänglich. Wer das Innere und den Hof der Synagoge in der Puškinova-Straße besichtigen möchte, soll sich bitte mit der Frau Dr. Jana Teššerová unter der Telefonnummer 00421 905 644 842 in Verbindung setzen. Sie zeigt jedem Interessenten gerne das Innere und den Hof der Synagoge und gleichzeitig auch die Gemäldegalerie des Košicer Zeichners jüdischer Herkunft, Ľudovít Feld, auf dem Synagogengelände.

Ehemaliges Gebäude der Industrie- und Handelskammer
Location:
Ecke der Hlavná-Straße 112 + Bačíková-Straße 2, Košice

Eingang – hinter ihm Historisches Rathaus
Hlavná-Straße 59

Das Haus der Ehefrau von Ľudovít Burger
Štúrova-Straße 21

Feuerwehrhaus
Požiarnická-Straße 2-4

Sommerschwimmbad Červená hviezda
Staničné námestie 5A


Orthodoxe Synagoge und Jüdische Schule (heute das Gebäude der Generaldirektion der Slowakischen Bahn)
Puškinova – Straße 3-5

Autorin des Textes, © Mgr. Daniela Capcarová, PhD., 2024
